Die neuen Flaggschiffe der Deutschen Bahn: Technische Störungen und Mängel Ursache für weitere Verspätungen

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  • Medienberichten zufolge weisen die neuen Züge des Bahn - Konzerns, der ICE 4 und der Intercity 2, eine Reihe technischer Mängel auf. Eigentlich sollten die Modelle die ohnehin mangelhafte Pünktlichkeit der Bahn verbessern – nun sind sie selbst Ursache für weitere Verspätungen. 2018 erreichten lediglich 74,9% aller Fernverkehrszüge pünktlich ihren Zielbahnhof, das heißt mit einer Verspätung von minimal fünf Minuten. In einer internen Mitteilung des Konzerns heißt es, dass die Störungen bei den Neufahrzeugen empfindliche Auswirkungen auf den Gesamtbetrieb zeitigten, da sie besonders häufig an Verkehrsknotenpunkten und stark frequentierten Strecken eingesetzt würden. Deshalb falle es schwer, 2019 bessere Werte zu erzielen. Nach außen hin dementiert das Unternehmen jedoch die Häufung technischer Defekte bei ihren neuen Modellen nachdrücklich.


    ICE 4 und Intercity 2: Zahlreiche Defekte

    Nach Spiegel - Informationen seien die Neufahrzeuge vom Typ ICE 4 und Intercity 2 allerdings häufig von Defekten und technischen Störungen betroffen. Besonders der Vergleich zu den Vorgängermodellen mache dies ersichtlich. Allein beim IC 2 gebe es über 60 Fehler. Unter anderem stürze hier der Bordcomputer für die Zugsicherung immer wieder ab. Behoben können werde dieses Problem wohl erst 2020, weil zahlreiche Sicherheitsvorschriften Einhaltung geböten. Ein weiteres Problem, das sich für den Doppelstockzug stellt, ist das unangenehme Wanken in den oberen Waggons, über das sich Fahrgäste vermehrt beklagen. Ab einer Geschwindigkeit von 160 km/h tritt die abwechselnde Querbeschleunigung bei den neuen Intercity - Zügen auf, besonders häufig auf frisch geschliffenen Schienen. Das Wanken ist teilweise so stark, dass Fahrgäste sich übergeben mussten. Die Ursache der Störung liegt wohl an Fehleinstellungen im Feder- und Bremssystem der Intercity 2 - Züge, nicht etwa an den Doppelstockwaggons an sich.

    Bei der neusten ICE - Generation, dem ICE 4, von der Bahn auch als „Flaggschiff des Fernverkehrs“ bezeichnet, seien vor allem Türen und Bremsen betroffen. Ein Software Update soll dem seit Dezember 2017 im Regelbetrieb eingesetztem Modell zu mehr Zuverlässigkeit verhelfen. Zudem mehren sich Berichte über Vibrationen während der Fahrt, besonders auf der Strecke zwischen Hamburg und München. Das Vibrieren, dass sich bei hohen Geschwindigkeiten einstellt, bedeutet zwar kein Sicherheitsrisiko, jedoch eine deutliche Einschränkung des Reisekomforts. Ein Sprecher der Bahn erklärte, dass die Räder der neuen ICEs 4 nicht mehr zu den älteren Schienenprofilen passen würden, dies jedoch keine Gefährdung der Fahrgäste nach sich zöge.


    Der Bahn - Konzern bestreitet Fehlerhäufung bei neuen Modellen

    Die Deutsche Bahn teilte indes mit, dass es bei den Neufahrzeugen ICE 4 und IC 2 nur vereinzelt zu technischen Störungen und Ausfällen komme. Diese seien aber keineswegs gravierend, sondern bei der Einführung neuer Züge durchaus erwartbare Begleiteffekte. Gemeinsam mit den beiden Herstellern Siemens und Bombardier analysiert die Deutsche Bahn die Ursachen der Fehlerquellen und hofft, die Störungen im Rahmen der Gewährleistung beseitigen zu können. Beim ICE 4 komme es nur hin und wieder zu Störungen an einzelnen Türen, stellte die Deutsche Bahn klar. In Kooperation mit dem Hersteller Siemens sei man dabei, die Software, welche die Türen steuert, zu optimieren. Angedacht sei unter anderem die Rekalibrierung einer Reihe von Sensoren, welche unterschiedliche Temperatur -, Feuchtigkeits - und Druckverhältnisse messen.
    Hinsichtlich der zweiten Bau - Serie der Intercity-Züge, von denen gegenwärtig drei Fahrzeuge in Betrieb sind, erklärte die Deutsche Bahn, dass diese Züge in der Tat noch nicht die gleich hohen Zuverlässigkeitswerte wie die 27 Fahrzeuge der ersten Bau - Serie (Intercity 1) erreichen würden. Diese war im Dezember 2015 in Betrieb genommen worden. Auch hier arbeitet der Bahn Konzern zusammen mit dem Hersteller Bombardier intensiv daran, die Performance in allen Bereichen zu steigern.


    Bisher noch keine nachhaltige Lösung in Sicht

    Die Fehlfunktionen ihrer Neufahrzeuge setzte den Konzern unter enormen Druck, denn die restliche Zugflotte könne diese Dysfunktionen kaum kompensieren. So befinde sich der ICE 3 bereits jetzt an der Belastungsgrenze. Beim Intercity 1 seien nur noch wenige Waggons verfügbar, wie aus einem internen Papier hervorgeht. Nicht alle ausfallenden Züge, wie etwa der Ende Dezember 2018 an einer Oberleitung stark in Mitleidenschaft gezogene ICE 4, der nun bis Mitte März fahrtuntauglich ist, können durch Ersatzzüge ersetzt werden.


    Trotz aller Beteuerungen des Konzerns dürfte die Tatsache kaum zu übertünchen sein, dass er die technischem Störungen an seinen Neumodellen nicht im Griff hat. Technische Nachrüstungen und Software Updates können nur ein Teil der Probleme lösen. Das Vibrieren des ICE 4 bei hohen Geschwindigkeiten liege Experten zufolge eher an den teils veralteten Schienen als an den Rädern der Züge. Die Aufgabe bestehe darin, nachhaltige und dauerhafte Lösungsansätze zu finden, anstatt lediglich Symptombekämpfung zu betreiben. Eine umfassende Strategie hierfür hat das Unternehmen bisher nicht vorlegen können.

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