Schulreferat: Liberalisierung der Deutschen Bahn

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    • Schulreferat: Liberalisierung der Deutschen Bahn

      Moin,
      für ein Schul-Projekt mit der Fragestellung: "Protektionismus oder freier Markt? Sollte die Deutsche Bahn zwecks nationalem und internationalem Wettbewerb liberalisiert werden?" habe ich mich in letzter Zeit viel mit diesem Thema beschäftigt und stehe dem Thema gespalten gegenüber! Eine Liberalisierung ohne strenge Vorschriften und Regulierungen seitens des Staates könnte mit großer Wahrscheinlichkeit eher negative, als positive Folgen haben, während eine regulierte Privatisierung zu einem größeren Wettbewerb und dadurch also zu Kostensenkungen für Verbraucher, sowie mehr Innovationen und Effizienz seitens der Bahnunternehmen führen könnte.
      Um mein Referat so vielseitig wie möglich zu gestalten, würde ich gerne weitere Argumente und Meinungen zum Thema sammeln, vielleicht sind ja einige mit dem Thema Vertraut und meiner Meinung, oder können Gegenargumente liefern!?
      Freue mich auf eure Antworten :thumbsup:
      Gruß MrNiceGuy
    • Liberalisierung der Deutschen Bahn

      Hallo Mr.Nice Guy, :) ,

      Die Liberalisierung des Deutschen Eisenbahnwesens hat schon im Jahr 1994 durch die Vereinigung der damals noch getrennten

      Bahnunternehmen(Deutsche Reichsbahn der DDR und Deutsche Bundesbahn alt zur Bahn AG begonnen!) Seit dieser Zeit entstanden

      mehrere private EVU=Eisenbahnverkehrsunternehmen, die sich z.T recht erfolgreich(Bayerische Oberlandbahn=BOB) im heiß umkämpften

      Markt der EVU behauptet haben! Ich bin zwar auch für rechtliche Regelungen im Bahnverkehr, jedoch sollte man meiner Meinung nach

      die Regulierungen nicht übertreiben.

      Übrigens hat in unserem Nachbarland Österreich der Monopolbetrieb ÖBB Konkurrenz im eigenen Lager durch das Sartup-Unternehmen

      Westbahn bekommen, und siehe da, die Züge der ÖBB fuhren plötzlich wieder pünktlich und die Sauberkeit in den ÖBB-Zügen ist um

      einiges besser geworden!

      Aber nichtsdestotrotz fährt die private Westbahn mehr Gewinn als die ÖBB ein. Dies geht auch aus einem Geschäftsbericht der Westbahn

      hervor!

      Es kommt für mich noch ein entscheidender Vorteil von privaten EVU gegenüber Monopolbetrieben wie z.B. der schon von mir erwähnten ÖBB

      hinzu; dies betrifft die Fahrzeugflotte!

      Währen man bei der Westbahn als auch bei der Deutschen Bahn AG zeitgemäße und moderne Fahrzeuge(Regioshuttle,LINT,Talent,Desiro)

      einsetzt, sind bei BahnAG und ÖBB Triebfahrzeuge unterwegs, deren Alter schon fast biblisch zu nennen ist!

      Auch hier ein Beispiel: Die Loks der Bahn AG (Baureihe 110,140,141,150) haben teilweise ein Dienstalter von z.T 40 Jahren und mehr auf dem

      Buckel.

      Du siehst an den von mir aufgezählten Beispielen, daß eine Zulassung von privaten EVU durch das Eisenbahnbundesamt dringend not tut!

      Liebe Grüße

      Letzter Heuler(Moderator)
    • Hallo letzter Heuler,
      vielen Dank für deine fachlich kompetente Antwort! Das dieses Modell in Österreich so gut funktioniert und wirklich für positive Entwicklungen gesorgt hat ist ein wirklich interessanter Aspekt! Das sich die EVUs in Konkurrenz zur DB-AG gut schlagen kann ich leider nur bedingt nachvollziehen, denn während in den Sparten Regio-Verkehr und ÖPNV die Konkurrenz steigt und ihren Marktanteil in dieser Sparte auf rund 25% ausbauen konnte, gibt es im Schienenfernverkehr lediglich zwei weitere Anbieter (HKX, InterConnex) die auch nur die Strecken Hamburg-Köln, sowie Leipzig-Rostock anbieten. Dies ist auf die weitreichende Diskrimminierung der Konkurrenz durch die Deutsche Bahn zurückzuführn: Bsp. Konkurrenten müssen überteuerten Strom von DB beziehen, DB steckt alle Gewinne aus dem Trassennetz, trotz größtenteils öffentlichen Mitteln (rund 2,5 Milliarden Euro) für Erhaltung und Modernisierung, alleine ein, Konkurrenten müssen im Fernverkehr für längere Züge mehr bezahlen als DB.
      So kann der Wettbewerb nur noch auf den Rücken der Mitarbeiter der Konkurrenz ausgetragen werden, was zu Dumping-Löhnen führen wird.
      Da muss doch was gemacht werden, ich halte hier eine Trennung der Trassen vom Konzern für das sinnvollste, oder wie seht ihr das? :)
    • AHOI AHOI





      Die Liberalisierung der Deutschen Bahn gibt es nicht. Da
      diese ja ein privatwirtschaftliches Unternehmen auf Aktienbasis ist. Wenn dann
      kann höchstens der Markt für Transportleistungen im Schienenverkehr
      liberalisiert werden.


      Ich bin da wie immer noch und schon öfters mal dargelegt
      gespaltener Meinung. Denke aber, dass eine Trennung der Infrastruktur. Von der
      DB hin zum Staat durchaus Vorteile bietet. Gerechter Zugang zu den Trassen und
      gleiche Bedingungen für alle. Außerdem darf man nicht vergessen, dass ein
      Großteil dieser Infrastruktur immer aus Steuergeldern finanziert worden ist.
      Hierzu einfach mal das Gutachten der Bundesregierung dazu lesen. Und, ja ich
      weiß, das klingt ziemlich weit links aber wer eine ausreichende Grundversorgung
      haben möchte muss da zwangsweise auf den Staat zurückgreifen. Ich hätte damit
      kein Problem. Denn wenn es einen freien Markt gibt werden nur Leistungen
      erbracht die sich für Unternehmen lohnen. Ich kann da ein Beispiel aus meinem
      Bundesland MV bringen. Hier musste die Landesregierung per Notvergabe an die DB
      Nahverkehrsleistungen vergeben, weil kein Unternehmen diese Strecken betreiben
      wollte. Bei der Liberalisierung ist das dann nicht mehr möglich und was das für
      den ländlichen Raum bedeutet ist wohl klar.


      Ich möchte auch betonen, dass wir schon relativ weit sind
      was den offenen Markt angeht. Siehe nur den öffentlich bestellten Nahverkehr.
      Es gibt also durchaus schon Wettbewerb auf der Schiene. Für mich ist dies aber
      nun kein Beweis, dass diese Anbieter nun besser oder schlechter sind. Wettbewerb
      bedeutet nicht zwangsweise das es kostengünstiger wird. Schließlich sind die
      Preise nicht gesunken sondern weiter gestiegen. Die Einsparungen werden dann
      als Unternehmensgewinn deklariert bzw. das Bundesland bzw. der Bund spart das
      Geld ein. Das nützt aber dem gemeinen Bahnfahrer recht wenig.


      Weiterhin bedeutet der Wettbewerb das sich alle über neue
      Züge usw usw freuen. Hierzu kann ich nur sagen auch diese Garnituren werden alt
      werden und auch jeder neue Zug wird durch Steuergeld und Fahrpreise finanziert.
      Hier einmal eine persönliche Anmerkung: Lieber ein älterer ausgereifter Zug als
      die neuen Züge und dann als Versuchskaninchen herhalten zu müssen. Denn Neu
      heißt nicht immer besser. Bestes Beispiel die ICE Plagen im Sommer und Winter.


      Sei es drum.


      Ich kann dir allerdings nur den Rat geben für dein
      Referat die Bereiche des NV und des FV zu trennen. Beides in ein Topf zu werfen
      wäre fast verantwortungslos, weil beide auf völlig unterschiedlichen
      wirtschaftlichen Strukturen basieren.


      Es gibt das Beispiel England wo die Liberalisierung und
      Privatisierung total schief gelaufen ist. In Japan hingegen vorbildlich
      funktioniert. Einfach auch dazu mal googlen.





      Zur Diskriminierung der DB gegenüber anderen EVU. Die
      Bahn zahlt genau die gleichen Trassenpreise und Bahnsteigpreise wie jedes
      andere EVU auch. Dies wird durch die Regulierungsbehörde auch überwacht. Dies
      gilt grundsätzlich für alle Dienstleistungen der DB. Beim Strom ist dies
      anders, liegt aber in der Struktur des Unternehmens da die Bahn selber
      Stromproduzent ist und auch Strom einkauft. Diesen gewinnbringend
      weiterzuverkaufen ist doch Sinn und Zweck eines Unternehmens.





      Beste Grüße





      USV
    • Steuergelder gehen flöten

      Meiner Ansicht nach gehen viele Steuergelder bei einer solchen Liberalisierung verloren. In Berlin z.B. hat die Bahn vor einigen Jahren viele Grundstücke an einen österreichischen Konzern verkauft, die damit nun Geld machen. Eigentlich stehen sie aber dem Steuerzahler zu, der ja viele Jahre lang die Bahn finanziert hat. Man kennt ja genug Beispiele aus anderen Bereichen, z.B. der Wasserversorgung, dass der Service bei Liberalisierungen eigentlich immer schlechter wird, der Preis aber steigt.

      Interessanter als die Liberalisierung wäre eine Professionalisierung der Bahn im Innern, kontrolliert von den Steuerzahlern, also einem kompetenten Gremium.