Welche Konsequenzen hat das Scheitern der PKW Maut?

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    • Welche Konsequenzen hat das Scheitern der PKW Maut?

      Das Scheitern der PKW Maut in Deutschland kann nicht wirklich überraschen.

      Die Tatsache, dass ausländische Nutzer der Autobahnen durch dieses fadenscheinige System des Verkehrsministers benachteiligt worden wären, liegt auf der Hand.
      Insoweit ist das Urteil des EUGH schlüssig und völlig gerechtfertigt.

      Aber ich frage mich eines:

      Könnte man dieses heutige, negative Schlüsselerlebnis für den deutschen Verkehrsminister nicht endlich mal zum Anlass nehmen, ernsthaft über eine andere Finanzierung von Schiene und Straße nachzudenken?

      Tatsache ist, dass Deutschland für das Schienennetz p.a. je Bürger gerade mal 77 € ausgibt.
      In Österreich sind es 218 €, in der Schweiz gar 365 €.
      https://www.tagesschau.de/wirtschaft/bahn-schienenbilanz-101.html

      Ich plädiere dafür, dass schnellstmöglich eine PKW-Autobahnmaut für alle Nutzer eingeführt wird und die erzielten Erträge vorrangig in den seit Jahrzehnten verschleppten Ausbau des Schienennetztes gesteckt wird.

      Außerdem bedarf die Straßenmaut für LKW dringend einer deutliche Erhöhung um den Gütertransport endlich auf die Schiene zu bringen.

      Das Lamento des ADAC und anderer Interessenvertretungen, die sich ausschließlich um die Interessen der Auto-Nutzer kümmern, wird unermesslich sein, aber, so wie die Dinge jetzt laufen, geht es auch nicht weiter.

      Wenn die GroKo diese Entwicklung weiterhin verschläft, werden die Grünen weiter zulegen ohne selber ein vernünftiges Konzept zu haben.
      Und nach der nächsten Wahl können wir uns auf rot/rot/grün freuen.
    • Ich denke auch, dass Autofahren ganz einfach zu billig ist.
      Der Staat müsste dringend mehr Einnahmen über den Straßenverkehr erzielen.
      Das gilt genauso für den PKW Verkehr, wie noch viel mehr für den LKW Verkehr.
      Es ist einfach zu billig Waren mit LKW zu transportieren!
      Kein Wunder dass die Industrie ihre Güter lieber "just in time" durch LKW fahren lässt, als über die teuere und viel langsamere Bahn.
    • Eine Konsequenz hat das Hickhack um die gescheiterte PKW Maut und diverse Probleme drumherum auf jeden Fall:

      das traditionell gute deutsch-österreichische Verhältnis hat zumindest "Schrammen abbekommen", wenn es nicht gar beschädigt worden ist.

      Jetzt ist es so, dass beide Seiten sich ungerecht behandelt fühlen und jeder steht nun in seinem Schmollwinkel.

      Die Ösis sind beleidigt, weil sie meinen, die Deutschen wollten sie mit der "Ausländermaut" über den Tisch ziehen.

      Außerdem sind sie sauer, weil Deutschland die LKW Maut nicht erhöht und sich deshalb tagtäglich eine Unmenge LKWs durch Österreich wälzt.

      Zudem sind sie sauer, weil bezüglich Eisenbahnausbau (Brennerbasistunnel) in Bayern bisher so gut wie nix passiert ist, während Österreich und Italien schon ziemlich weit voran sind.

      Die Deutschen andererseits sind beleidigt, weil die Tiroler bei den LKWs Blockabfertigung praktizieren und dadurch in Bayern vor der Grenze oft viele Kilometer Stau anwachsen mit allen unschönen Begleiterscheinungen am Rande.

      Ich sehe nicht, wie der "gordische Knoten" durchschlagen werden könnte.
      Allerdings macht mich die Missstimmung besonders traurig, weil ich verwandtschaftliche Kontakte in unser Nachbarland habe.

      LG an alle
      Lena
    • Leider erreichen die deutsch-österreichischen Verstimmungen eine neue Eskalationsstufe.

      Ab sofort verbietet das Bundesland Tirol an Wocheneden, sowie an Feiertagen Urlauber-PKWs im Falle eines Staus die Inntalautobahn zu verlassen und auf Landstraßen weiterzufahren.

      Die Polizei ist angewiesen, PKWs auf Landstraßen zu kontrollieren und auf die Autobahn zurückzuschicken. Ob diese Fahrer auch gebührenpflichtig verwarnt werden, steht wohl noch nicht fest.

      Aber eines steht fest:
      Der Tourismus in Tirol und vor allem in Südtirol könnte einiges an Einbußen zu spüren bekommen, ganz einfach, weil die Urlauber verunsichert und verärgert sind.
    • Ich finde es nicht ok, was die Österreicher da machen. :thumbdown:
      Klar, die sind ein Transitland und es stinkt ihnen, dass viele Autos nur durch ihr Land durchfahren ohne Geld auszugeben, außer der Maut natürlich.
      Aber wir sind auch ein Transitland und müssen Holländer, Belgier und Durchreisende aus anderen Ländern auch ertragen.
      Die geben bei uns auch kein Geld aus, noch nicht einmal eine Maut, und wir haben Staus und Gestank von denen am Hals.
    • Man muss sich das mal vorstellen:

      Überall gibt es Umleitungsrouten für die Fälle von Stau auf der Autobahn.
      In Tirol gehen die Uhren anders, da verlängert man lieber den Autobahnstau ;(
      Hier wäre mal ein Einmischen der EU dringend geboten, statt nur um Posten zu schachern!

      Übrigens: nur zur Klarstellung ich selbst bin gebürtiger Tiroler, drum ärgere ich mich so über meine Landsleute
    • Ich hab heute einen Beitrag im Radio gehört.
      Da meinte der Sprecher, so wie es jetzt in Tirol ist, dass man die Autobahn keinesfalls verlassen darf, das erinnert ihn an DDR Zeiten, als die Leute auf der Fahrt nach West-Berlin die Transitautobahn auch keinesfalls verlassen durften.
      Ich weiß nicht so genau, wie das damals war, aber wenn das tatsächlich so war und jetzt dort auch so läuft, dann ist das schon heftig.
    • Also zunächst mal einen Vergleich zu ziehen zwischen Tirol und dem Unrechtsregime der DDR verbietet sich von Haus aus.

      Ungeachtet dessen bleibt es, zumindest im freien Europa, ein einzigartiges, bizarres Vorgehen, Autofahrern zu untersagen eine bestimmte Straße zu verlassen.
      Insofern ist der Vergleich mit der ehemaligen Interzonenautobahn nach Berlin teilweise berechtigt.

      Die Tatsache, dass dieses Vorgehen heftig kritisiert wird, dürfe auch Landeshauptmann Platter nicht überraschen.

      Um etwas Brisanz aus diesem Sachverhalt herauszunehmen, wäre Platter gut beraten gewesen, die Wogen etwas zu glätten.

      Aber ganz im Gegenteil, offenbar unter dem Eindruck des vor dem EUGH gewonnenen Prozesses wegen der "Ausländermaut" Deutschlands, strotzt er nunmehr vor Selbstbewusstsein, legt jetzt noch einen Gang zu und weitet die Verkehrsbeschränkungen weiter aus.

      Keine Frage: die Straßenanwohner werden ihn bejubeln, aus verständlichen Gründen!

      Aber:

      Die Frage ist, ob Hoteliers und Restaurantbesitzer dies genauso sehen.
      Ich könnte mir gut vorstellen, dass so mancher Gast, der eigentlich einen Urlaub in Tirol oder im Salzburger Land buchen wollte, nunmehr einem anderen Ziel den Vorzug gibt.
      Viele haben echt keine Lust bei der Anreise von der Polizei aufgehalten zu werden und dann dem Beamten klarmachen zu müssen, dass man kein "Mautsparer", "Stauumfahrer" oder sonst was ist, sondern ganz einfach in sein Hotel anreisen möchte.

      Ich bin mal gespannt, wie ein Regenschirm, ob die Begeisterung für Plattners Maßnahmen auf Dauer allgemeine Akzeptanz finden werden.

      Spannend wird es auch für mich selbst, wenn ich in Kürze meine Verwandten in Kaprun besuchen werde.
      Ich werde zu gegebener Zeit berichten, wie vielen Kontrollen ich mich unterziehen musste und wie ich den berechtigten Grund für meine Reise den Beamten klarmachen konnte.

      Viele Grüße an alle!
    • Ich finde es auch krass, dass das Verhältnis zwischen zwei einstmals guten Nachbarn innerhalb der EU immer mehr den Bach runtergeht.
      Ich finde es unfassbar, dass ein Streit nur noch über Gerichte und Medien ausgetragen wird!
      Sind denn die Politiker bei uns und in Österreich alle durchgeknallt?
      Wenn sich nicht einmal Deutschland und Österreich mehr verständigen können, dann wundert es mich nicht, dass mit Ländern, wie Ungarn sowieso kein Dialog möglich ist.
      Kein Wunder, wenn der europäische Gedanke immer mehr verloren geht und die Menschen kein Interesse an Europa haben.
      Sehr schlimm
    • Liebe Freunde!

      Wie manche von euch vielleicht wissen, bin ich gebürtiger Tiroler, also Österreicher, aber schon seit 35 Jahren in Deutschland lebend und habe auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

      Meine Sympathien für mein Heimatland sind derzeit ziemlich gering ausgeprägt.

      In dem allseits bekannten EUGH Verfahren gegen die geplante deutsche PKW Maut hat sich Österreich in erster Linie darüber aufgeregt, dass es diskriminierend für ausländische Autobahnnutzer sei, was Deutschland plant, weil die Ausländer angeblich schlechter wegkämen, als die deutschen und damit die Rechtswidrigkeit der deutschen Mautpläne angeprangert.

      Soweit so gut.

      So nun kommen wir mal zu Herrn Platter, dem Landeshauptmann von Tirol.

      Er plant folgendes:

      Eine Ausweitung des sog. "sektoralen Fahrverbots" für LKW in Tirol.
      Kann man grundsätzlich nichts dagegen sagen, oder?

      Aber: jetzt kommts:
      Einheimische, sprich österreichische LKW sollen von diesem Fahrverbot ausgenommen sein!
      Soviel zum Thema, was Herr Platter von Gleichbehandlung von Österreichern und Ausländern hält!

      https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/streit-um-regionale-fahrverbote-in-oesterreich-geht-weiter,RUcQxvB

      Lieber Herr Platter:

      glauben sie allen Ernstens , dass man so ein einstmals gut nachbarschaftliches Verhältnis zwischen Tirol und Bayern (bzw. Österreich- Deutschland) wieder herstellen kann?

      P.S. Eine schwarz-grüne Koalition ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach, aber nur um des Koalitionsfriedens willen sollte man sich nicht zu überzogenen Maßnahmen hinreißen lassen.

      Viele Grüße an alle, auch an Herrn Platter :) !
      Michael
    • Hallo Michael,

      bin am Samstag auf dem Weg nach Südtirol auch durch Österreich gefahren. Für die Zehntagesvignette plus zwei Fahrten auf der Brennerautobahn habe ich insgesamt 28,50 Euro bezahlt. Die "Digitale Vignette" ohne Aufkleber ist eine bequeme Sache.

      In Wattens habe ich die Autobahn kurz verlassen und im Ort günstig getankt.

      Ich kann die Österreicher ein Stück weit verstehen, wenn sie sagen, dass ein Mega-Stau in den Ortschaften insofern gefährlich ist, als er Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten der Weg versperrt und ihnen die Arbeit erschwert.

      Viele Grüße, Markus

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    • Hallo Markus,

      zunächst mal:
      Respekt, du hast dich gut informiert. Der Tankstopp in Wattens war klug geplant. :thumbsup:
      Schon wenige km weiter, im Bereich zwischen Hall i.T. und Zirl hätten dich die Gendarmen als "Günstigtanker" gleich wieder auf die Autobahn zurückgeschickt, weil genau solche Fahrzeuge in den angrenzenden Ortschaften nicht willkommen sind. Du warst also weder Ziel- noch Quellfahrer und damit unerwünscht. ;(

      Aber nun mal was grundsätzliches:

      Tirol hat definitiv ein Verkehrsproblem, übrigens genauso, wie viele andere Regionen in Europa und sonstwo.
      So muss man objektiv feststellen, dass auch hier in Deutschland sehr viele Menschen unter dem Transitverkehr sehr leiden.
      Wir sind genauso, wie Tirol, ein Transitland, nur mit dem Unterschied, dass Deutschland noch immer keine vernünftige Maut auf die Beine gestellt hat um auch tatsächlich die ausländischen Nutzer an den Immensen Straßenkosten zu beteiligen.
      Gleichzeitig ist aber auch Fakt, dass das eigentliche Problem Österreichs (Tirols) und aller anderen Transitländer gar nicht wirklich die Urlauber in ihren PKWs sind, diese kommen in der Regel einmal im Jahr vorbei oder vielleicht auch zweimal, das wars dann aber auch.

      Das Problem ist ein ganz anderes, nämlich der explodierende Schwerlastverkehr auf der Straße, der Tag und Nacht die Straßen bevölkert und hier gebe ich meinen Tiroler Landsleuten Recht, da muss schnell was passieren.
      Ich gehe hier soweit zu sagen, dass die Einräumung der Priorität für den Schienenverkehr nicht nur eine deutsche ,österreichische oder italienische Sache ist, nein, in Wahrheit geht es hier um die Lösung existenzieller Fragen und damit wäre die EU klar in der Pflicht.

      Aber aus Brüssel ist nicht wirklich viel zu erwarten, dort schachert man lieber um Posten und gängelt die Bürger zu Fragen, welche Glühbirnen zu verwenden sind und wieviel Wasser aus Brauseduschköpfen laufen darf. :thumbdown:

      Übrigens noch kleine Anmerkung am Rande:

      Meine Frau und ich waren dieses WE auch in Tirol unterwegs, wir fuhren über Kufstein nach Kaprun zu einer Familienfeier.
      Kuriosität am Rande: ab nächstem WE 6./7.Juli unterliegt diese Straße auch den Verkehrsbeschränkungen der Tiroler Landesregierung.
      Ich frage mich, wie ich dem kontrollierenden Gendarmen hätte nachweisen können, dass wir zum berechtigten Quell- /Zielverkehr gehören, zumal ich keine Buchungsbestätigung oder sonstigen Nachweis hätte vorzeigen können.

      So, nun wünsche ich dir und deiner Familie schönen Urlaub in Südtirol und auf der Rückfahrt nicht vergessen: Tankstopp zwischen Zirl und Hall i.T: ist nicht möglich, also am besten wieder Wattens auswählen, sofern Herr Platter bis zu euerer Rückfahrt diesen Ort nicht auch zur Sperrzone erklärt hat. :D

      Viele Grüße, Michael